Wie Scheeßels Triathlet Matthias Berulla in Südafrika an seine Grenzen ging.

Konnte beim Radfahren über 180 Kilometer mehr als 350 Plätze gutmachen:
Scheeßels Triathlet Matthias Berulla. © Berulla
Scheeßel – Hohe Wellen, sengende Hitze und ein anspruchsvoller Kurs: Der Ironman im südafrikanischen Port Elizabeth hatte es in sich. Mittendrin: Matthias Berulla. Der Triathlet des TV Scheeßel kämpfte sich trotz widrigster Bedingungen durch und erreichte schließlich Platz 28 in seiner Altersklasse M55 bis 59.
Bei einer Temperatur von zehn Grad ging es für Berulla in den Flieger. Bei seiner Ankunft am Indischen Ozean waren es dann bereits 26 Grad. Zwar habe Berulla keine Zeitverschiebung, aber eben massive Temperaturunterschiede verkraften müssen und hatte zudem eine eher kurze Zeit zur Akklimatisierung. „Diese erschwerten Bedingungen boten keine optimalen Voraussetzungen für einen Wettkampf“, erklärt der Scheeßeler. Am Renntag habe ihn zudem der Ozean besonders herausgefordert. Durch das unruhige Wasser mit sehr hohen Wellen sei es für Berulla extrem kompliziert gewesen, überhaupt in einen Schwimmrhythmus zu kommen. „Ich habe tatsächlich ans Aufhören gedacht und das zum ersten Mal“, verrät der Triathlet und fügt etwas ratlos an: „Warum 4.300 statt 3.800 Meter (die vorgegebene Schwimmdistanz beim Ironman sind 3.860 Meter, Anm. d. Red.) auf der Uhr stand, kann ich mir nicht erklären.“
Ein schnellerer Wechsel aufs Rad habe Berulla zwar wieder motiviert, aber mit einer Verspätung von 22 Minuten hinter seinem eigentlichen Zeitplan sei eine Platzierung unter den zehn besten Triathleten nun schon nicht mehr möglich gewesen. Im Anschluss dennoch die ungefähr 180 Kilometer Radfahren auf dem hügeligen Kurs mit rund 1.400 Höhenmetern zu absolvieren, „war schon extrem schwierig“, gibt Berulla zu. Der Straßenbelag sei circa 150 Kilometer lang richtig schlecht und sehr rau gewesen. Er habe das Rennen durch die vielen Schlaglöcher neben dem stark wechselnden Wind zusätzlich erschwert. „Die Bedingungen sind für alle Triathleten gleich“, weiß Berulla, „aber so viele Reifenpannen habe ich bei einem Ironman noch nie beobachtet.“ Während des Radfahrens habe es keine typische Gruppendynamik gegeben. „Man war immer allein auf der Strecke.“
Zurück nach Hobie Beach und einer Aufholjagd von mehr als 350 Plätzen ging es für Berulla rein in die Laufschuhe. Die bergige Marathonstrecke sei bei inzwischen 30 Grad bestritten und von ausgelassener Musik, jubelnden Zuschauern und motivierenden Zurufen begleitet worden. Jetzt war die Devise: „Durchhalten, durchbeißen und nicht aufgeben, auch wenn es richtig wehtut.“ Berulla folgte diesem Motto und lief nach 11 Stunden, 39 Minuten und 9 Sekunden über die Ziellinie, um dort zum achten Mal die Worte „You are an Ironman“ zu hören.
Donnerstag, 30. April 2026, Rotenburger Kreiszeitung
